Freitag, 13. April 2012

Abschied von Gerhard Postel - Würdigung vom Ehrenvositzenden der Aktion Pfalzstorch bei der Trauerfeier


Gerhard Postel wurde am Donnerstag  an seinem Wohnort in Freisbach beerdigt.

Der Ehrenvorsitzende  der Akton Pfalzstorch e.V. , Dieter Hörner, würdigte bei der Trauerfeier  seinen langjährigen Weggefährten bei der Wiederansiedlung der Störche in der Pfalz:



"Ein kluger Mann hat einmal gesagt: „Die Welt lebt von Menschen, die mehr tun als ihre Pflicht“.

Gerhard Postel war so ein Mann, der erheblich mehr getan hat als seine Pflicht. Deshalb trauert die Aktion PfalzStorch mit seiner Familie um ihn.

Mit Gerhard Postel hat uns ein ebenso bescheidener wie liebenswerter, ein ebenso kluger wie tatkräftiger und zupackender Mensch verlassen.

Einer, der nie die Publicity gesucht hat, dem all das vielfach aufgesetzte Getue unserer Zeit zuwider war.

Aber er war einer, auf den man sich verlassen konnte. Er hat mich zwar zunächst für verrückt erklärt, als ich ihm von meinem Traumziel erzählt habe, den Storch hier wieder anzusiedeln, aber als er mir dann sein Wort gegeben hatte, mich dabei zu unterstützen, da habe ich gespürt, was wahre Freundschaft bedeutet.

Deshalb kann ich heute mit Fug und Recht behaupten, dass es ohne Gerhard Postel die Aktion PfalzStorch nicht gegeben hätte. Ohne seine Tatkraft, ohne seinen unermüdlichen Aufbauwillen und ohne sein Wissen um die Belange des Naturschutzes, wären wir nicht da, wo wir heute mit der Aktion PfalzStorch sind.

Gerhard Postel hat viele beeindruckende Predigten gehalten.

Eine davon ist mir ganz besonders im Gedächtnis geblieben. Er hat sie auf dem Storchenfest 2005 in Bornheim gehalten..

Sie begann mit den Worten: Wenn meine Enkelin Marla mich später einmal fragt „Opa, wie war das damals?“ und wir auf die Schönheit der Wiesenlandschaft in der Südpfalz zu sprechen kommen, dann werde ich ihr die lapidare Antwort geben: „Das war der Storch. Das hat der Storch vollbracht.“

Und ich werde ihr erzählen von Bauern, die sich mit ihrem Mäh-Termin nach dem Storch richteten, von Gemeinden, die ihre Schließen wieder herrichteten und die Bewässerung wieder einführten, vom Wissen der alten Wässermeister. Ich werde ihr erzählen von Menschen, die jede freie Minute für den Storch und seine Lebensbedürfnisse einsetzten. Ich werde ihr erzählen von einem alten Herrn aus Baden (der übrigens heute unter uns sitzt), der jedes Jahr 400 Storchennester erstieg, damit wir durch die Fußringe wussten, wohin die Störche zogen und wer von ihnen wieder heimfand.

Ich werde ihr erzählen von Dingen, die ich gar nicht verstehe, von Computer und Internet, durch dessen Vermittlung Menschen bis hin auf die andere Seite der Erde sich Sorgen machten um unsere Störche und sich mitfreuten, wenn sie gediehen.

Ich werde ihr viele Namen nennen von Menschen, die mitgeholfen haben, dass eine bäuerliche Tradition eben nicht abbrach und dass diese wunderbare englische Parklandschaft der oberrheinischen Wiesendeiche erhalten blieb.

Ich werde ihr erzählen vom Storch, auch augenzwinkernd davon, dass sie selber pünktlich zur Welt kam, nachdem Störche auf unserem Scheunendach brüteten.

Aber wenn sie dann fragt: „Aber Opa, was hat das mit deinem Glauben und was hat das mit meinem Leben zu tun?“  Dann werde ich sagen: „Liebes Enkelkind, bemühe dich darum, dass Menschen um dich herum und Menschen nach dir etwas abbekommen vom Paradies.“

ANDEREN EIN STÜCK PARADIES ZU BEWAHREN UND ZU GESTALTEN; ERLEBEN ZU LASSEN UND ZU HINTERLASSEN; DAZU SIND WIR AUF DER WELT.

Das war seine Maxime. Deshalb haben wir ihn verehrt, deshalb haben wir ihn geliebt und deshalb werden wir ihn nie vergessen."


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